Der Atem der Disziplin

Diejenigen, die schon mal meditiert haben (oder wie ich begeisterte Schwimmer sind), kennen das Problem: Da möchte man so gerne seine innere Mitte finden, einfach mal den Kopf abschalten und ganz im Hier und Jetzt ankommen.  Und dann das: Der kleine Affe im Kopf quasselt und quasselt. „Ich hätte heute netter zu der Kollegin sein müssen“, „Habe ich den Herd ausgemacht?“ „Mir ist langweilig“… brabbelt die Stimme im Kopf. Je stiller wir werden, desto lauter werden meist die Gedanken. Und was tun wir, wenn das Gedankenkreisen nicht aufhört? Wir fokussieren uns auf den Atem. Immer und immer wieder. Bis irgendwann die Gedanken leiser werden und wie ein Fluss an uns vorbeirauschen.

So ist es auch mit der Disziplin. Wie oft kasteien wir uns, wenn wir doch wieder zur Zigarette greifen, wenn wir doch wieder Schokolade essen oder es einfach nicht schaffen, regelmäßig Sport zu treiben? Schon oft habe ich mich gefragt, ob das wirklich so sein muss. Ob es nur die eine Chance gibt und wir uns selbst bestrafen sollten, wenn wir es wieder nicht geschafft haben. Bis mir aufgefallen ist, dass es sich mit der Disziplin wie mit dem Meditieren verhält. So wie wir bei der Meditation immer wieder zu unserem Atem zurückkommen, können wir auch mit allem verfahren, was uns wichtig ist: Wir kommen bei jeder Ablenkung, jeder Versuchung, jeder Flucht immer und immer wieder zu dem zurück, was uns wirklich am Herzen liegt. Wir haben doch wieder Süßes gegessen? Macht nichts! Dann versuchen wir es eben morgen nochmal ohne Zucker. Wir waren gestern nicht schwimmen, weil wir lieber mit den Kollegen noch ’n Bierchen trinken gegangen sind? Davon geht die Welt nicht unter! Alles halb so schlimm. Denn: Jeder Atemzug ist ein neues Leben und ein neuer Versuch.

Photocredit: Pixabay

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